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Die Kunst des urbanen Handelns

Die Stadt ist zum primären Wohnraum der Weltbevölkerung geworden. Auch in Österreich leben mehr  als 50 Prozent  aller Menschen in Städten – Tendenz steigend. Wie eine dadurch notwendige Stadtentwicklung auch „von unten“ funktionieren kann, zeigen Judith Laister, Margarethe Makovec und Anton Lederer in ihrem neuen Buch.

Die Kunst des urbanen Handelns“ heißt das neue, im Löcker-Verlag erschienene Buch, das sich mit künstlerischem Handeln in städtischen, sich stark wandelnden Gebieten auseinandersetzt. Die in den letzten Jahren stark zunehmenden Transformationsprozesse im Annenviertel geben hier Anlass zur Frage, welche Rolle die Kunst im öffentlichen Raum und der Stadtentwicklung einnimmt und wie eine Stadtentwicklung „von unten“ funktionieren kann. Die Herausgeberin Judith Laister ist Kulturanthropologin und Kunsthistorikerin. Sie forscht und lehrt an der Universität Graz. Margarethe Makovec und Anton Lederer, ebenfalls Herausgeber und Gründer des Zentrum für zeitgenössische Kunst < rotor > im Annenviertel, beschäftigen sich nun schon seit bald 15 Jahren mit den Sozialstrukturen, der heterogenen Bevölkerung und der Entwicklung des öffentlichen Raums der ehemaligen „Murvorstadt“.

podiumsdiskussion
Bei der Podiumsdiskussion zur Buchpräsentation wurde rege informiert und debatiert

Einschränkungen des öffentlichen Raums

Städte wandeln sich stetig und rasch. Bei der Entwicklung des öffentlichen Raums stehen nicht nur Qualität und technische Funktionalität, sondern auch die wirtschaftliche Effizienz, die ökologische Verträglichkeit, sowie die soziale Ausgewogenheit im Interesse unserer gewählten Repräsentanten. Ein allgemeines Problem hierbei ist, dass vor allem der öffentliche Raum immer mehr durch die Politik beschnitten werde, meint Kurt Flecker von der Steirischen Gesellschaft für Kulturpolitik. „Die Verfügbarkeit des öffentlichen Raumes ist zwar demokratisch organisiert, jedoch lediglich rein repräsentativ demokratisch. Die direkte Demokratie ist in diesem Bereich nicht vorgesehen.“Doch ist jeder in der Nutzung dieses Raumes theoretisch gleichgestellt und sollte die Möglichkeit haben, bei der Entwicklung seines Lebensraums mitzutragen und mitzubestimmen. „Stadtentwicklung von unten“ mit „parallelen Planungsprozessen“ von „uneingeladenen Stadtentwicklern“ nennen das etwa Margit Czenki und Christoph Schäfer,  die in „die Kunst des urbanen Handelns“ über Park Fiction und das Recht auf Stadt schreiben.

„Bottom-up“-  statt „top-down“-Planung

Urbane Entwicklungsprozesse werden gerne „von oben herab“ betrieben, sagt Kurt Flecker. “ Dabei wird aber oftmals vergessen, dass das primäre Ziel einer Stadt nicht jenes sein sollte, nach außen hin eine möglichst hohe Reputation zu erzielen, sondern  vielmehr nach innen, den eigenen Bürgern gegenüber, so repräsentativ wie möglich zu sein.“ Ein abgedrucktes Interview mit Stadtbaudirektor Bertram Werle und Stadtteilmanagerin Simone Reis zeigt, dass sich hier in den letzten Jahren viel getan hat und die Stadtplanung „bürgernäher“ geworden ist. So war das von 2009 – 2013 im Annenviertel installierte Stadtteilmanagement von Anfang an auf eine Zusammenarbeit mit dem < rotor > und mit „bürgerlichen ExpertInnen“ bedacht und sollte als Brückeninstanz zwischen Politik und lokalen AkteurInnen dienen.

Kunst als Stadtentwicklerin

Laister, Makovec und Lederer zeigen in ihrem Buch, dass Kunst nicht nur in Museen und Ausstellungen gehört, sondern vielmehr Teil des urbanen und öffentlichen Raums sein soll und muss. In 17 Texten beschäftigen sie sich, ausgehend vom Annenviertel, auf Basis verschiedenster internationaler Vergleiche aus Städten wie etwa Mailand, Sofia, Hamburg, Istanbul oder Zagreb mit Themen wie städtische Transformation, Gentrifizierung und Aktivismus, sowie Mittel, Möglichkeiten und Grenzen der Beteiligung von BewohnerInnen an urbanen Entwicklungsprozessen.

Judith Laister, Anton Lederer, Margarethe Makovec (Hg.)
Die Kunst des urbanen Handelns
The Art of Urban Intervention

Die Kunst des urbanen Handelns

 

 

 

 

 

Das Buch ist erhältlich im Löcker Verlag und auf Amazon

Über den Autor

Christoph Madl
Christoph Madl
mag: Literatur, Lyrik, alte Bücher, Jazz und Gratisessen.
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