Von Wundern und Erleuchtungen

in VIERTEL(ER)LEBEN von

Im Annenviertel finden sich Spuren von so gut wie allen großen Weltreligionen. Ein geführter Spaziergang an drei Orte des Glaubens.

„Bei Führungen durch das Annenviertel zeigen Menschen aus dem Stadtteil neue Blickwinkel auf, die wir im Alltag nicht bemerken“, heißt es programmatisch auf der Annenviertel-Webseite. Das ist der rote Faden der geführten Themen-Spaziergänge durch das Viertel, die inzwischen schon Tradition haben. Diesmal ging es um das Entdecken verschiedener Religionen und Glaubensgemeinschaften. „Diese Spaziergänge bieten einen Einblick  in eine andere Welt, in die man sonst nicht kommt“, betont die Organisatorin Maria Reiner, die interessierte Viertelbewohner diesmal zu einem buddhistischen Zentrum, einer evangelischen und einer katholischen Kirche geführt hat.

Erste Station: Das buddhistische Zentrum She Drup Ling, eröffnet 1995, in der Griesgasse. Barbara Kell, deren spirituelle Heimat schon seit zehn Jahren der Buddhismus ist, führt freundlich und ruhig durch das Zentrum. Kell hat sich schon immer für die asiatischen Philosophien interessiert und hat einige Zeit bei einem indischen Meister verbracht, wo sie auf den tibetischen Buddhismus stieß. She Drup Ling bedeutet „Ort des Wissens und der Praxis“, den Namen hat der Dalai Lama selbst ausgesucht, der auch den Stupa im Volksgarten gesegnet hat. Im Vordergrund steht der tibetische Buddhismus, Schwerpunkte sind Yoga- und Meditationskurse, angeboten werden auch Seminare und ein Studienprogramm. Nicht nur spezifische buddhistische Themen werden diskutiert, sondern auch Angelegenheiten, die alle Menschen betreffen, gewaltfreie Kommunikation zum Beispiel. Die Gemeinde hat ungefähr 2000 Mitglieder, ist aber auch sehr offen gegenüber Neuankömmlingen und bietet Einführungen in den Buddhismus, erzählt Kell. Buddhist zu sein, sei eine freie Entscheidung jedes Einzelnen, jedoch könne man diesen inneren Entschluss offiziell mit der Mitgliedschaft in der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft dokumentieren.

Figuren als Meditationshilfe
Figuren als Meditationshilfe

Das trübe Wetter verschlägt uns dann in die Mariahilfer Kirche. Pfarrer Petru Farcaş empfängt uns mit einem herzhaften „Grüß Gott“  in seiner Kirche, deren Grundstein im Jahr 1607 gelegt wurde. Die Minoritenklosterkirche bewahrt mit ihrem Gnadenbild Mariahilf eine der populärsten Mariendarstellungen der Steiermark und wird mit verschiedenen Wundern in Verbindung gebracht. Giovanni Pietro de Pomis, Maler des Bildes, soll einen sehr hohen Betrag für das Gemälde verlangt haben. Als Strafe dafür, so geht die Legende, verlor er sein Augenlicht, das er erst nach dem Versprechen, das Bild umsonst zu malen, und dem Ruf „Maria hilf!“ wiedererhielt. Beim Gang durch die  Kirche, in der gerade der Rosenkranz gebetet wird, wärmen wir uns ein wenig auf. Die Mariahilfer Kirche bietet Gottesdienste in slowenischer  Sprache an, sie ist aber auch für ihre Hörbibliothek bekannt, die über mehr als 3000 Hörbücher in verschiedenen Sprachen verfügt.

Annenviertel Spaziergänger in der Mariahilfer Kirche
Annenviertel Spaziergänger in der Mariahilfer Kirche

Der letzte Stopp der Tour ist die evangelische Kreuzkirche im Volksgarten. Paul Nitsche, der aufgeweckte und fröhliche Pastor, der vor drei Jahren in die Gemeinde gekommen ist, erzählt ein wenig über die Unterschiede zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche. Auch über die Situation im Volksgarten spricht er mit der Gruppe: „Die Leute haben Angst, aber ich finde, dass es nicht gefährlich ist. Da übertreiben die Medien schon.“ Trotzdem leide die Gemeinde schon ein bisschen, dass der Platz vor der Kirche in der Öffentlichkeit als Treffpunkt der Grazer Drogenszene gelte. Deshalb ist die Kirche auch immer geschlossen, wenn gerade kein Gottesdienst ist. Die Pfarrgemeinde mit ungefähr 35 Mitgliedern feiert nächstes Jahr ihr hundertjähriges Jubiläum.

[box]Wer mehr über Religionen und Glauben in Graz wissen will, geht ins Stadtmuseum, wo noch bis 17.3. die vom Sozialhistoriker Joachim Hainzl kuratierte Ausstellung „Wo die Götter zu Hause sind – Gebaute und gelebte religiöse Vielfalt in Graz“ zu sehen ist.

Glaubensgemeinschaften im Annenviertel – Teil 2
Do, 12. Dezember 2013, 17.00 Uhr
Dauer ca. 1,5 Stunden[/box]

 

 

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