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Kunst, die Fliegen kann

Fliegen und Globalisierung – passt das zusammen? Ja, meinen die Künstlerin Karmen Frankl und Pfarrer Hermann Glettler, der die Arbeiten der Künstlerin in seiner Andräkirche zeigt. Noch bis Ende Oktober gibt es dort sechs Raum- und Klanginstallationen unter dem Motto „Fliegenglobalisierung“ zu sehen.

 Von Elisabeth Pranter, Raffael Reithofer, Beatrice Rümmele und Nicole Stranzl

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Frau der Fliegen
Das erste Exemplar ihres Lieblingstieres fing Karmen Frankl in den 1970er-Jahren während des Sonntagsessens in ihrer Heimatstadt Zagreb. 1991 begann sie, die armen Tiere zu fangen und als Hauptakteure für ihre Kunst einzusetzen. Für die Künstlerin hat jede Fliege nicht nur ihre Geschichte, sondern auch einen eigenen Namen. Diesen verdanken sie dem Ort, an dem sie gefangen wurden, wie zum Beispiel „echte Pariserin“.

Globus

Im Zentrum von Frankls Ausstellung, die recht frei zur eigenen Biographie sowie zu Fragen der Globalisierung assoziiert, stehen sechs leuchtende Globen, die mit einem fliegenanlockenden Leim bestrichen wurden. Nachdem sie zuerst an verschiedenen Orten in und um Graz, wie etwa im Bundesasylamt, im Gestüt Piber oder im Hotel Weitzer verteilt waren, treffen sie über dem Altar der an Kunstinstallationen ohnehin nicht armen Andräkirche wieder zusammen. Durch die unterschiedliche Verteilung der Fliegen auf den Globen stellen diese nun sechs verschiedene Modelle der Globalisierung dar. Pfarrer Hermann Glettler versucht zu erklären, während er durch die Ausstellung führt, dass sich das Kunstprojekt auch auf Migration bezieht – denn ähnlich den Fliegen auf dem Globus verteilten sich auch die Menschen durch die Globalisierung auf der ganzen Welt.

Tisch

Aus dem Gedicht „die Sonntagsfliege“, das Frankl einst in Zagreb schrieb, entstand wenig später auch das gleichnamige Projekt. Dieses ist im Mittelgang der Kirche ausgestellt und zeigt einen gedeckten Sonntagstisch der von einem weißen Fliegennetz umhüllt wird. Außerdem auf dem Tisch: ein umgedrehtes Glas, darin aufbewahrt eine tote Fliege, die die Sonntagsidylle stört. Eine weitere Installation ist am barocken Beichtstuhl angebracht. Dort rezitiert eine wispernde Stimme „Lob der Fliege“ des griechischen Satirikers Lukian von Samosata.

Das persönliche Highlight Hermann Glettlers ist aber die Installation am Eingangsbereich. Während eine Kinderstimme, erst langsam, dann ständig das Tempo steigernd „Wenn Fliegen hinter Fliegen fliegen, fliegen Fliegen Fliegen nach“, rastlos und beinahe bis zu Erschöpfung wiederholt, läuft auf der Holztür derselbe Text in visuellen Kreisen mit. Glettler meint, dies weise auf die Sinnlosigkeit des hektischen Lebensstils der heutigen Zeit hin.

Wer sich selbst ein Bild über die gesamte Ausstellung machen möchte, kann dies noch bis 31.Oktober tun.

Karmen Frankl,
Fliegenglobalisierung

Pfarre Graz – St. Andrä
Kernstockgasse 9
8020 Graz

ANDRÄ KUNST

 

 

 

Über den Autor

Elisabeth Pranter
Schreibt, liest, bäckt, reist. Mag Fremdsprachen, alternative rock, Festivals und Krokodile.
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