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„Das war wohl eher eine Prestigesache“

in Allgemein/VIERTEL(ER)LEBEN von

Es galt drei Jahre lang als Insidertipp für Fleischliebhaber. Nun sperrt das „Senf und Söhne“ in der Griesgasse zu. Das Lokal zählt zum Hotel-Komplex Weitzer und lief nicht so, wie es sich der Inhaber gewünscht hatte. Zwar bildete sich ein kleiner Kreis an begeisterten Stammkunden, die Breitenwirkung blieb aber aus. „Wir sehen langfristig keine solide Entwicklung und momentan auch keine Zukunft für das Senf und Söhne“, heißt es von Seiten der Geschäftsführung. Am letzten Freitag machte es seine Pforten endgültig dicht. Das Gebäude gehört Katharina Fischer-Weitzer, der Schwester des Hotelinhabers Florian Weitzer. Sie hat die Räume  zur Verfügung gestellt, in denen das „Senf und Söhne“ geführt wurde. Was genau sie mit dem Gebäude vorhat, ist noch unklar. Vermutlich werden die Räume zu Büros umgebaut.

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Besonders für Betreiber Alois Doupona stellt die Schließung eine große Enttäuschung dar. Der ehemalige Metro-Fleischer steckte all sein Herzblut ins Lokal. „Ich hätte es nicht zugesperrt“, erklärt er. „Es wäre ja verständlich, wenn man davon leben müsste, aber für die Geschäftsführer war das wohl eher eine Prestigesache.“
Das Konzept  des „Senf und Söhne“ wurde von Paola Polla, dem Inhaber des „Buffet da Pepi“ in Triest übernommen. Das italienische Buffet besteht schon seit 110 Jahren und läuft blendend. „Dort stehen die Leute Schlange“, weiß Doupona, der noch immer fest vom Konzept  überzeugt ist. Deftige Fleischvariatonen wie Braunschweiger, Rinderzunge und Geselchtes in Kombination mit verschiedensten Senf-Sorten – allen voran der hausgemachte Kürbis-Senf – begeisterten die Stammgäste. Nicht zu vergessen sind auch die „Söhne“: Salz- und Essiggurken, Pfefferoni und Paprika machten die Speisekarte komplett. Doupona meint, dass vor allem der Standort Grund für das schlechte Geschäft war. „Am Hauptplatz hätte das sicher besser funktioniert.“

Wie es mit Alois Doupona persönlich weitergeht, steht noch in den Sternen. „Entweder ich bekomme eine andere Stelle als Fleischermeister, oder ich mache etwas Eigenes auf, die Gastgewerbe-Konzession hätte ich ja“, plant er schon für die Zukunft. Sollte er tatsächlich ein eigenes Lokal eröffnen, möchte er der Idee des „Senf und Söhne“ treu bleiben und ein ähnliches Konzept kreieren.

Alois Doupona im WieslerFleischermeister Alois Doupona, Foto © Hotel Wiesler

Am Konzept festhalten möchte auch der Weitzer-Betrieb. Es dürfte ein neues Lokal geben, das dem alten „Senf und Söhne“ ähnelt. Wie ähnlich das „Senf und Söhne 2.0“ dem alten Lokal dann tatsächlich ist, scheint allerdings noch völlig offen zu sein. „Wir werden das Konzept weiterentwickeln und uns überlegen, in welche Richtung es gehen soll“, so die Assistentin der Geschäftsführung Theresa Reichert.

Unklar ist auch, wie es mit dem Herrenfrisör, dem „Barbier“, im Nebenraum weitergeht. Er wird früher oder später umsiedeln müssen. „Ich werde wahrscheinlich einen kleinen Raum im Hotel Wiesler bekommen“, erzählt Barbier-Betreiberin Irene Garcia. Wann das passiere, wisse sie jedoch nicht: „Ich werde auf jeden Fall noch länger hier bleiben – vermutlich bis zum Winter oder darüber hinaus.“

Barbier

Irene Garcia bei der Arbeit

Ob es den Barbier nach der Umsiedlung noch länger geben wird, kann die gebürtige Venezuelanerin Garcia nicht beantworten. Derzeit sieht es danach aus. Denn im Gegensatz zum Senf und Söhne scheint das Geschäft im Barbier gut zu laufen. „Unser Angebot wird von den Leuten sehr gut angenommen. Es gibt ja nicht so viele Barbiere in Graz. Es kommen oft auch Touristen herein und machen Fotos“, so Garcia, die erst vor kurzem die Geschäftsleitung von ihrem pensionierten Vorgänger übernahm.

Von Ines Abraham und Adrian Engel

FH JOANNEUM – Journalismus und PR /
wohnt in Graz / 19 Jahre /
schreibt und liest gern / liebt gute Geschichten und Schokolade / Tee – und Nagellackfreak/

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3 Comments

  1. Nein, nein, nein! Wegen solchen Lokalen reist man aus Wien an! Extra Zimmer reserviert um dorthin zu fahren und dann sperrt das zu! Nein! Dass man solchen Konzepten nicht Zeit gibt sich zu entwickeln zeigt eine gewisse Kurzsichtigkeit. Jedenfalls hat man auch hier in Wien über Senf und Söhne viel gehört… Bleibt zu hoffen, dass Hr. Alois etwas neues macht!

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