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Das Dainadoo bangt um seine Zukunft

in Allgemein/VIERTEL(ER)LEBEN von

Unsicher – so kann man Srirangan Manickams finanzielle Zukunft wohl vorsichtig beschreiben. Mit seinem srilankischen Lokal am Entenplatz macht er Schulden. Dabei lief das Geschäft anfangs gut. Als er sein Dainadoo vor rund vier Jahren eröffnete, machte es sich schnell einen Namen in der Grazer Szene. Die würzig-scharfen Gerichte aus srilankischer Küche und die jazzige Livemusik in ungezwungener Atmosphäre wussten zu überzeugen.

Doch „Sri“, wie Manickam von seinen Gästen genannt wird, fehlt die Genehmigung, um Konzerte veranstalten zu dürfen.  So kam es, dass ihm einige Anzeigen ins Haus trudelten. Ein Nachbar fühlte sich durch die laute Musik dauerhaft gestört – er griff gleich mehrere Male zum Telefon und kontaktierte die Polizei. Eine Anzeigenflut beim Lendwirbel 2012 brachte Manickam schlussendlich gänzlich dazu, keine Konzerte mehr zu veranstalten. „Da ist fast alles angezeigt worden, was veranstaltet wurde – vom Marktamt, von der Polizei, vom Nachbarn“, weiß Norbert Prettenthaler, Jurist und Unterstützer des Dainadoos, zu berichten.

Srirangan Manickam in seinem Dainadoo

Seit es keine Konzerte mehr im Daindadoo gibt, stockt das Geschäft. Mittags, wenn Manickam sich hinter seinen kleinen Herd stellt und die Gäste mit Gerichten srilankischer Art bekocht, ist das Dainadoo gut besucht. Doch durch die fehlenden Konzerte entgehen Manickam wichtige weitere Einnahmen. „15 bis 20 Prozent würde ich mit Konzerten sicher mehr einnehmen“, so der Lokalbetreiber.

Doch so ist er gezwungen, Schulden zu machen. Manickam: „Letztes Jahr habe ich Schulden gemacht, dieses Jahr läuft es bisher besser, und ich kann wenigstens meine täglichen Ausgaben decken. Doch mit der Miete bin ich mehrere Monate im Rückstand.“ Was außerdem noch dazu komme, so der Wirt, sei, dass durch die häufigen Anzeigen die Polizei öfter präsent war, einige Gäste sich abschrecken ließen und das Dainadoo seitdem meiden. Manickam ist sich sicher: Dürfte er Musiker im Dainadoo auftreten lassen, würde das Lokal wieder Gewinn machen.

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Im Dezember vergangenen Jahres hat er daher gemeinsam mit seinem juristischen Berater, dem Filmemacher und Aktivisten Norbert Prettenthaler, bei der Bau- und Anlagenbehörde um eine Genehmigung angesucht, Unplugged-Konzerte durchführen zu dürfen – zusammen mit Unterstützungserklärungen der SPÖ, der Grünen, der KPÖ, des benachbarten Johann-Joseph-Fux-Konservatoriums, des Hauseigentümers und einer Unterschriftenliste( die Annenpost berichtete), unterzeichnet von 1100 Unterstützern. „Ein Architekt hat uns geraten, den Antrag auf unverstärkte Konzerte zu stellen, da die Metallverglasung des Gebäudes den Schall nicht ausreichend dämmt, und die Behörde verstärkte Musik daher nicht genehmigen würde“, erklärt Prettenthaler, warum man sich auf unverstärkte Konzerte beschränkte.

Norbert Prettenthaler – Unterstützer der ersten Stunde

Ob das Dainadoo Unterlagen nicht eingebracht hat und das Verfahren sich deshalb so lange hinzieht, kann der zuständige Referent der Bau- und Anlagenbehörde, Walter Walch, jedoch nicht beantworten. Prettenthaler hingegen ist sich sicher, dass der Antrag korrekt und vollständig eingereicht wurde. „Wir haben das Ansuchen vorgelegt und uns wurde zugesagt, dass das so passt.“ Auch wie der aktuelle Stand  ist und wann es eine Entscheidung geben wird, darf die Behörde nur dem Antragsteller selbst mitteilen. Doch dieser hält sich zurück. Zu groß ist die Sorge, die Behörde könnte gegen ihn entscheiden, wenn er Druck auf sie  ausübt.

 

„Sri“ mit einem seiner vielen Stammgäste

Dass sich Leute an sie und ihre Kollegen wenden, weil sie sich von Behörden zu Unrecht behandelt fühlen, sei keine Seltenheit. „Wir haben einige Fälle, wo die Betroffenen sich diskriminiert fühlen und meinen, das Verfahren würde absichtlich von der Behörde verzögert“, so Grabovac.  Das Dainadoo stelle jedoch einen besonderen Fall dar, weil sich bisher noch nie ein Lokalbetreiber an die Antidiskriminierungsstelle gewandt hat. „Im Gastro-Bereich haben wir so einen Fall noch nicht gehabt – eher bei Anträgen von Familienbeihilfen, Visa, Sozialhilfe etc.“

 

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Ob es also im Dainadoo jemals wieder Konzerte geben wird und wenn, wann es sie geben wird, ist völlig offen. Für den Betreiber ist jedenfalls sicher, dass die Zukunft des Lokals nur mit Livemusik stattfinden kann. Wie es mit dem Dainadoo weitergeht, sollte es keine Genehmigung bekommen, damit beschäftigt er sich gar nicht: „Wenn ich jetzt zu mache, bin ich ruiniert“, so Manickam. Dass er voll damit plant, bald wieder Konzerte veranstalten zu dürfen, zeigt auch, dass er bereits ein fertig ausgearbeitetes Veranstaltungskonzept  in der Schublade liegen hat. Sobald die Behörde positiv entscheidet, möchte er dieses beim Kulturamt einreichen, um Förderungen zu erhalten. Ob sie das allerdings  jemals tut, hängt davon ab, wie sehr die Musik den Nachbarn zumutbar ist.

„Eine unzumutbare Belästigung muss auf ein zumutbares Maß reduziert werden – dann können wir die Genehmigung erteilen“, so der zuständige Referent Walter Walch. Heißt: Die Behörde prüft anhand der für das Ansuchen erforderlichen Projektunterlagen, ob eine Lärmbelastung vorliegt. Dabei muss es nicht automatisch zu einem Lärmschutzgutachten kommen. „Es kann auch berechnet werden“, so Walch. Sollte die Behörde für ihre Entscheidungsfindung ein Gutachten benötigen, kommt sie selbst dafür auf.

Der Gastgarten des Dainadoos belebt den Entenplatz

Den Nachbarn, der das Dainadoo mehrmals angezeigt hat, scheint der Lärm im Lokal derzeit nicht zu stören. Kaum verwunderlich, es wird immerhin keine Livemusik mehr gespielt. Der Konflikt zwischen ihm und dem Lokalbetreiber scheint sich somit beruhigt zu haben. Es gab nun schon längere Zeit keine Anzeigen mehr, wie die zuständige Polizeimediatorin, Michaela Strapatsas, bestätigt. „Der Herr meint, es passt ihm, wenn das Lokal in dieser Ruhe weitermacht.“

Prettenthaler ist sich sicher, dass die Belastung durch unverstärkte Livemusik weit unter der Grenze des Unerträglichen liegt. „Wir haben das einmal gemessen. Ein unverstärktes Konzert ist im Verhältnis viel viel leiser als ein vorbeifahrender PKW. Da muss man schon das Ohr an die Scheibe pressen, damit man überhaupt etwas wahrnimmt.“ Darauf angesprochen, bremst Walter Walch jedoch die Erwartungen. Wenn kein Lärm nach außen dringt, bedeute das nicht automatisch, dass eine Genehmigung erteilt werde: „Man muss sich auch anschauen welcher Grundgeräuschpegel dort vorherrscht. Jeder Einzelfall ist individuell zu beurteilen.“ Bis die Bau- und Anlagenbehörde das getan hat, heißt es für Manickam und all seine Unterstützer weiter hoffen. Srirangan Manickam jedenfalls gibt sich nach wie vor optimistisch. „Ich bin guter Hoffnung, dass alles gut ausgehen wird.“

Adrian „Zwitscher“ Engel ist ein Multitalent. Vormittags Journalist für die Annenpost, Nachmittags Topstürmer seines Vereins JSV Mariatrost. Und nachts? Da verwandelt er sich in einen Partytiger und tanzt in einer der Grazer Discos zu schrillen Techno-Beats. Als Ausgleich zum sonst so stressigen Alltag genießt der 19-jährige Urgrazer die ruhigen Wochenendtage vor seinem warmen Kamin. „Einfach mal die Seele baumeln lassen. Die Zeit vergessen.“

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5 Comments

  1. Sehr ausführlich und ziemlich traurig wie gewissen Menschen ticken – ich frag mich oft warum man nicht einfach mehr miteinander tut anstatt gegeneinander – weshalb muß es immer wieder solche ungustln geben die kleine feine unternehmen in den ruhin stürzen?

  2. Danke für die positiven Rückmeldungen!
    Wir werden auf jeden Fall dranbleiben. Wer weiß, vielleicht tut sich ja schon bald etwas.

  3. Unplugged Musik ist doch eine gute Lösung um das Lokal mit einzigartigen Events und Stammkundschaft zu beleben… Wir sollten dieses Lokal in Graz unbedingt unterstützen! Als Bekannter von Sri und Claudia, und ehemaliger Besucher (wir organisierten dort ein freies Seminar) wünsche Ich das Lokal weitermacht und diese Situation sich für alle Beteiligten gut entwickelt!! Thumbs up! 🙂

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