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„Gries erinnert mich an Berlin“

Günther Kolman ist in Gries aufgewachsen. Heute betreibt er sein Tonstudio „nasaomusic“ in einem Obsthof in der Rösselmühlgasse. Diesen Standort wählte er nicht ohne Grund: Natürlich war auch der finanzielle Aspekt ein Motiv, aber Kolman sieht in Gries viel mehr als einen Bezirk mit Nachholbedarf. Für ihn ist gerade das etwas heruntergekommene Flair reizvoll. „Ich war lange in Berlin. Dort habe ich die Hinterhöfe und die industrielle Atmosphäre sehr geliebt – Gries erinnert ein bisschen daran.“

100_3088Der Eingang zum Tonstudio ist gut versteckt (die weiße Tür rechts)- der Obsthof hingegen fällt sofort auf

Als Kolman auf den Obsthof stieß, war er sofort Feuer und Flamme. Bis „nasaomusic“ dort seine Zelte aufschlug, dauerte es allerdings zehn Jahre, in denen Kolman auf der Suche nach einer geeigneten Location war. Die Firma dagegen gibt es bereits seit 1990 offiziell, ein Hobby war die Musik schon viel länger. „Eigentlich habe ich schon mit 20 angefangen“, erinnert sich Kolman. Dass das Jus-Studium nichts für ihn ist, merkte er schnell. Danach versuchte er es mit Elektrotechnik. „Ich habe aber bald erkannt, dass das Studium zu theoretisch ist.“ Und so brach Kolman ab und gründete sein eigenes Unternehmen.

Aufträge hat er genug. Die reichen von Musikaufnahmen im Studio über Sprechaufnahmen für Dokumentationen und Webseiten bis hin zu Live-Produktionen. Unter den Auftraggebern finden sich auch prominente Namen. Kolman arbeitete bereits mit der EAV oder den Ausseer Hardbradlern. Besonders stolz ist er auf die erste Live-CD nach 17 Jahren der Flying Pickets, die er produzieren durfte.

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Günther Kolman bei der Arbeit im Tonstudio

Manchmal erreichen auch skurrile Aufträge das Studio: So hielt kürzlich ein Lamborghini vor dem Obsthof. Der Besitzer war ein wohlhabender Bräutigam, der nun sein privates Hochzeitsvideo samt selbst eingesungenem Soundtrack vom Tonstudio produzieren lässt.

Auf ein Genre einschränken will sich Kolman nicht, er möchte so vielseitig wie möglich bleiben. Daher arbeitet er beispielsweise auch mit Yasser und Ozman, einem Grazer Gangster-Rap-Duo (Interview und Portrait). „Obwohl die Texte oft sehr grenzwertig sind“, lacht Kolman.

Im Moment hat er jedenfalls alle Hände voll zu tun. Kürzlich musste er sogar seinen Hochzeitstag im Tonstudio verbringen. „Alle wollen halt eine Weihnachts-CD“, seufzt er. Aus diesem Grund stand vor kurzem auch die a cappella Gruppe Voice Factory vor dem Mikro. Begeistert zeigt Günther Kolman das Setting im Studio, denn auch wenn es oft stressig ist – er liebt seinen Beruf.

Über den Autor

Ines Abraham
Ines Abraham
FH JOANNEUM - Journalismus und PR / wohnt in Graz / 19 Jahre / schreibt und liest gern / liebt gute Geschichten und Schokolade / Tee - und Nagellackfreak/
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1 Kommentar zu "„Gries erinnert mich an Berlin“"

  1. ich bin sprachlos!!!
    Super gut geschrieben und sehr interessantes Thema!
    Gratuliere Ines!
    Bin stolz auf dich 🙂

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