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„Die vielen Auflagen brechen uns das G‘nack“

Der Eingang zur Ungergasse 24

Dem Kulturfreiraum Papierfabrik in der Ungergasse stehen schwierige Zeiten bevor. Vielen als Veranstaltungsort für Kunst jeder Art bekannt, ist es ruhig um das ehemalige Papierlager geworden. Das Areal muss umgebaut werden um den Vorgaben der Veranstaltungspolizei zu entsprechen. „Die vielen behördlichen Auflagen brechen den Kunstinitiativen das Gnack“, so einer der Verantwortlichen. Die freiwilligen Helfer und auch das Budget sind vorhanden, es fehlt lediglich an den Bewilligungen.

Die Herbstsaison steht vor der Tür, und an Veranstaltungen wie Clubbings und Konzerte ist zur Zeit nicht zu denken. Bei einem Lokalaugenschein mit einer dort arbeitenden Goldschmiedin fällt der paradoxe Zustand in der Papierfabrik ins Auge. Eine Diskokugel dreht sich langsam über einem Gabelstapler, Mischpulte sind auf Paletten aufgebaut. Es stehen Rollkästen mit Material der ehemaligen Papierfabrik herum. Zwischen gemütlichen Sesseln mit Wohnzimmeratmosphäre wirkt alles sehr chaotisch und verlassen. „Einige Proberäume sind  aufgrund der hohen Feuchtigkeit im Keller nicht benutzbar, potentielle Ateliers  noch nicht erschlossen. Die Zukunft der Papierfabrik ist ungewiss“, sagt die Atelier-Mieterin.

Der Veranstaltungsraum der Papierfabrik

Der Kulturverein wurde im November 2011 gegründet und bietet kreativen Platz in Ateliers, Proberäumen und diversen Veranstaltungsräumen. Laut Ferdinand Oberbauer, der neben Manuel Schöndorfer zum leitenden Duo der Papierfabrik gehört, ist die Papierfabrik ein Kunstfreiraum, welche eine Helferfunktion für Künstler und Künstlerinnen besitzt. Im vergangenen Jahr war viel los, wie das „Org Festival“, das Metallsymposium und Ausstellungen. Ein junges Filmteam nutzte die Lagerräume für ihren Filmdreh.

Trotz kleinem Budget für Werbung wurde die Papierfabrik gerne und zahlreich besucht, meint auch Oberbauer, der betont, dass die Resonanz von Anfang an „gigantisch“ war. Die Stadt hat den Kunstfreiraum Papierfabrik mit einer Förderung unterstützt, dennoch finanziert sich der Verein durch die Einnahmen von Events. „Das Hauptaugenmerk liegt auf der Kunst. Events und Partys veranstalten wir aus wirtschaftlichen Gründen“, so Oberbauer. Problematisch wurde es für die Betreiber erst als sie im Mai 2012 am Lendwirbel teilnahmen. Die Veranstaltungspolizei wurde auf die Papierfabrik aufmerksam. Der Verein hätte mit seinen Mitgliederveranstaltungen nicht bei den öffentlichen Events des Lendwirbels mitmachen dürfen, die Polizei erstattete wegen der baulichen Mängel Anzeige.

Gespräch mit einer Künstlerin im Foyer

Aufgrund der Auflagen im Sanitärbereich, beim Brandschutz und bei der Lüftung finden keine Veranstaltungen statt. Die „motivierten Aktivisten“ wollten im Sommer umbauen, doch die Arbeiten liegen still. Bevor die genauen Richtlinien der Behörden dem Verein nicht bekannt gegeben werden, macht ein Umbau keinen Sinn. „Wir wollten einen bunten Kunstraum schaffen, der schräg und unvorhersehbar bleiben sollte“, meint Oberbauer, „aber die Auflagen bedeuten ein riesiges Problem für die freie Kunstszene.“

Vom Autorenteam  Max Sommer, Matthias Strohmeier, Melanie Schober, Stefanie Tomaschitz, Theresa Wakonig, Max Tonsern

Über den Autor

Melanie Schober
Melanie Schober
Die gebürtige Deutschfeistritzerin, für ihre musikalische Begeisterung bekannt, studiert an der Fachhochschule Joanneum in Graz Journalismus und PR. „Frisch gedacht ist halb gewonnen“ – ihre Lebensphilosophie, ist auch das Motto ihres Blogs, wo sie über das Leben als FH-Studentin und beruflicher Freigeist schreibt. http://wbw.fh-joanneum.at/schome/
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