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Ein Partner für Wort, Tanz und Schauspiel

Freie Theater sind anders: Sie sind zahlreich, sehr unterschiedlich und müssen ohne dauerhafte Finanzierung vom Staat leben. Diesen bunten Haufen fasst „Das andere Theater“ als eine Dachgemeinschaft aller freien Theater zusammen. Es unterstützt die freie Szene in ihrem Wirken und kürt diesen Herbst beim Festival „bestOFFstyria“ wieder die beste freie Theaterproduktion.

von Sonja Radkohl

 

Wenn „Zwergnase“ auf „Emilia Galotti“ trifft. Wenn sie sich in klassisch in Theatern, aber auch in Gasthöften, Steinbrüchen, oder auf der Uni begegnen. Und wenn die Zuschauer sich bei Improvisationen vor Lachen die Bäuche halten und nebenan Avantgarde zum Nachdenken und Interpretieren anregt – das ist freies Theater. „Man kann vom Inhalt her nicht sagen, was das freie Theater ausmacht, weil es so unterschiedlich ist. Eigentlich ist die Vielfalt das, was es am besten beschreibt“, schildert Katharina Dilena, Geschäftsführerin von „Das andere Theater“. Was alle freien Theater aber gemeinsam haben ist, dass sie nicht direkt vom Staat gefördert werden, wie das Schauspielhaus und die Oper. Damit stehen sie auf eigenen Beinen, manchmal mehr, manchmal weniger wackelig. Unterstützt werden sie bei diesem Kunststück von „Das andere Theater“, dem Dachverband von allen freien Theatern in Graz.

 
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 Katharina Dilena zeigt bei den Flyern die große Vielfalt der freien Theaterszene

 

Kreativität braucht Räume mit echten Ecken und Kanten

„Freier Theaterschaffender zu sein heißt, dass die Künstler ein großes Wagnis eingehen und mit vielen Unsicherheiten leben müssen“, erklärt Dilena. Dreijahresförderungen gibt es nur für etablierte Gruppen „alle kleineren Ensembles müssen sich von Projekt zu Projekt weiterhanteln. Sie müssen schauen, dass sie mit einem kleinen Budget auskommen, zahlen sich selbst oft nichts und jobben nebenher.“ Und hier kommt „Das andere Theater“ ins Spiel: Alle Mitglieder können kostenlos Probe- und Spielräume im „TTZ Graz“ mieten, billig Technik ausborgen und sind Teil des gemeinsamen Spielplans und der Werbemaßnahmen. Selbst der Mitgliedsbeitrag ist variabel: „Darum soll’s nicht gehen. Ich hatte gerade eine Gruppe, die hat symbolisch zehn Euro eingezahlt.“

 
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 die Proberäume werden von Gruppen, wie z.B. t‘eig, häufig genutzt

 

„Welches Theater passt zu mir?“

Neben den Serviceleistungen vertritt „Das andere Theater“ auch die Interessen der freien Szene auf kulturpolitischer Ebene. Obwohl es erst vor Kurzem eine Anpassung der Förderungen an die Inflation gab, ist „Das andere Theater“ laut Dilena gewappnet: „Sollte herauskommen, dass es Kürzungen gibt, stellen wir uns natürlich auf die Beine – sogar mit Demos, wenn es sein muss.“

Was den freien Theatern allerdings noch fehlt, und auch „Das andere Theater“ nicht bieten kann, ist ausreichend Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit. Außerdem sei es für die Besucher schwer, sich in der Vielfalt der freien Theater zu orientieren. Dilena wüsste da Abhilfe: „Es wäre cool, wenn wir eine Beratung zu ,Welches Theater passt zu mir?‘ anbieten könnten. Ich würde mich schon auf den Hauptplatz setzen.“

 
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Die Vielfalt der freien Theater ist so groß, dass die Entscheidung schwer fällt

 

Einen eigenen Überblick über die freien Theater können sich Besucher bei „bestOFFstyria“ verschaffen. Bei dem Festival treten von 11. bis 15. September die sechs besten Produktionen der freien Theaterszene Steiermark gegeneinander an. „Was die steirische freie Szene ausmacht, ist ein großer Zusammenhalt. Trotz der Konkurrenz und obwohl die einzelnen Gruppen oft wenig mit dem anfangen können, was die anderen machen, ist der Respekt groß.“ Sieger wird es bei „bestOFFstyria“ dennoch nur einen geben. Und so laufen die Proben auf Hochtouren, denn schenken will man der Konkurrenz, bei aller Freundschaftlichkeit, natürlich nichts.

 

bestOFFstyria 11.-15. September 2012:
BIRDLIFE ODER DIE THEORIEN DER LUFT, Theater Kaendace
DAS PRINZIP STRUWWELPETER, Mezzanintheater
DAS KLEINE HASENSTÜCK ODER MEISTER L LERNT LAUFEN, uniT
DIE VERWANDLUNG, Grazer Vorstadttheater
ESKLAKALTION ORDNINÄR, Theater t‘eig
GRAZ ALEXANDERPLATZ, Theater im Bahnhof

 

 

Über den Autor

Sonja Radkohl
Sonja Radkohl
Als perfektionistische Kindergartenpädagogin scheint Sonja geradezu prädestiniert dazu zu sein, buntem Treiben in der Klasse entgegen zu stehen. Im Unterricht fliegt ihre Füllfeder schier über die Seiten, wenn sie sich fleißig Notizen macht. In ihrer Freizeit lebt sie gerne ihre musikalische Seite beim Gitarre spielen aus oder vertieft sich stundenlang in Bücher. Dank ihres schriftstellerischen Talents ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch sie ihre Karriere, wie ihr Lieblingsjournalist Hubert Patterer, im Printbereich starten wird. Verfasst von Jennifer Polanz
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