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Arbeiterviertel Annenviertel: Ein Rundgang

Als Rahmenprogramm zur Ausstellung „Schauplatz Annenviertel!“ (annenpost.at berichtete) wurde zu einem Rundgang zu den Wurzeln der Grazer Arbeiterbewegung geladen. Joachim Hainzl führte am Donnerstag, 29. März 2012, nicht nur durch das Annenviertel, sondern auch durch dessen Geschichte.

Von Maria Wild

 

Es ist kurz vor 17 Uhr. Im Foyer des stadtmuseumgraz haben sich circa 15 Menschen versammelt und unterhalten sich angeregt. Sie warten auf Joachim Hainzl, Künstler und Historiker – und kreativer Kopf hinter dem Annenviertel-Modell. Pünktlich geht es dann los: Gemeinsam begeben sich alle in den zweiten Stock und die kleine Menge schart sich um das Modell des Annenviertels.

Das Annenviertelmodell im Stadtmuseum, Ausgangspunkt für den Rundgang

 

Hier vermittelt Hainzl die nötigen Hintergrundinformationen rund um die Geschichte der Arbeiter im Annenviertel auf eine interessante und kurzweilige Art und Weise. „Ich werde mich kurzfassen“,  betont er hier immer wieder, schließlich würde noch so einiges am Programm stehen. Er erzählt von den Entwicklungen, die es während der Industrialisierung in Graz gegeben hatte. Am rechten Murufer sei im 19. Jahrhundert bewusst die Industrie angesiedelt worden, was die Bezirke Lend und Gries zu Arbeitervierteln machte. Wesentlich für diese Teilung der Stadt war die Lage der Bahnstrecke, die die Rohstoffversorgung der Betriebe gewährleistete.

Nach dieser Einführung beginnt der eigentliche Rundgang durch das Annenviertel. Die erste Station ist die Hauptbrücke über die Mur, wo Hainzl vom langjährigen Grazer Bürgermeister Vinzenz Muchitsch erzählt. Der Sozialdemokrat war von 1919 bis 1934 im Amt und spielte eine wesentliche Rolle in der Arbeiterbewegung. Mit den Industriebetrieben siedelten sich auch die Arbeiter im Annenviertel an – Muchitsch setzte sich für deren Belange ein und förderte den Bau von Gemeindewohnungen, eine Verbesserung der Stromversorgung und die Schwemmkanalisation.

Vor dem ehemaligen ÖGB Haus am Südtiroler Platz öffnet Hainzl seinen grau-karierten Rucksack mit „historischem“ Inhalt. Er liest Passagen aus Dokumenten der ersten Republik vor und spricht allgemein über die Politik dieser Zeit, bevor es weiter zur nächsten Station geht. Auf dem Vorplatz des Orpheums verdeutlicht Joachim Hainzl, welche Stellung die Arbeiter zu Ende des 19. Jahrhunderts in der Gesellschaft hatten. Er spricht vom Heimatrecht und dem Kampf um ein allgemeines Wahlrecht und den Acht-Stunden Arbeitstag und bezieht dabei auch Stellung zur heutigen politischen Situation.

In der Affritschgasse erzählte Joachim Hainzl von der Kinderfreunde-Bewegung

 

Anton Afritsch, Initiator der Kinderfreunde-Bewegung, ist der Grund, warum sich die kleine Gruppe schließlich in die Affritschgasse begibt. Direkt vor der Eingangstür des Hauses, in dem Afritsch lange Zeit gewohnt hat, legt Hainzl den nächsten Zwischenstopp ein. Er spricht über die Geschichte der Kinderfreunde: Im nahegelegenen Volksgarten spielte Afritsch mit seinen Kindern – bereits 1908, nur ein Jahr später, habe diese Art der Freizeitgestaltung so großen Anklang gefunden, dass 72 Personen an der Gründungsversammlung des „Arbeitervereins Kinderfreunde“ teilgenommen hätten.

 

In diesem Gebäude befand sich früher das GöC-Kaufhaus

 

Am Volksgarten vorbei geht es dann weiter Richtung Roseggerhaus. Gegenüber befand sich früher das GöC-Kaufhaus, in dem Mitglieder des Konsumvereins preiswert einkaufen konnten. Die letzte Station des Rundgangs durch die Geschichte der Arbeiterbewegung  führt die Gruppe rund um Joachim Hainzl anschließend zur Arbeiterkammer. In der Hanuschgasse fasst er noch einmal zusammen, welche Entwicklungen es unter der sozialdemokratischen Regierung in puncto Arbeiterrecht gegeben hat: „Vieles, was für uns heute selbstverständlich ist, wurde in den Jahren von 1918 bis 1920 verwirklicht.“

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