LIVEBLOG: Flutwelle – oder nur ein Tropfen auf dem heißen Stein

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Heute, am 23.03.2012, demonstriert die Plattform 25 gegen die Kürzungen der Landes- und Bundesregierung im Sozialbereich. Seit einem Jahr fordern sie 25 % mehr Leistungen anstatt weiterer Einsparungsmaßnahmen. annenpost.at begleitet die Demonstranten auf ihrem Marsch vom Mariahilferplatz bis vors Grazer Landhaus und bloggt live.

Von Sonja Radkohl

17:00 Uhr, Landhaus

Die Menge brüllt. Vor dem Landhaus besetzen die Demonstranten „unsere Straße, unsere Zukunft.“ Vom Wagen aus verkünden mehrheitlich Vertreterinnen der Plattform 25 ihren Unmut. Die Begeisterung flaut jedoch nicht ab- die Menge jubelt, pfeift, applaudiert und antwortet in ihrer Entrüstung sogar auf rhetorische Fragen. Ob die Redner sie nicht bemerken oder schlichtweg ignorieren? Die abschließende Forderung lautet, wie in den Jahren zuvor: „25 % mehr Leistungen! Wir sind viele, wir sind noch da und wir bleiben laut!“ Noch einmal empört sich die Menge: „Spart euch euer Sparpaket“. Langsam aber lösen sich die Demonstranten auf, stehen wie zu Beginn erst in kleinen Grüppchen da und räumen schließlich die Herrengasse. Alle Übriggebliebenen müssen den Straßenbahnen weichen.

Hat man auf eine Reaktion von Landeshauptmann Franz Voves oder Bürgermeister Siegfried Nagl gewartet? Falls ja, ist die Enttäuschung groß.

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 die Abschlusskundgebung vor dem Landhaus- unterstützt vom Trommelrhythmus

16:15 Uhr, Mariahilferplatz und Hauptbrücke

Die Rede ist vorbei. „Als sie das Sparpaket geschnürt haben, haben sie euch zugehört?“ „Nein“ „Dann sagen wir es ihnen! Setzen wir uns in Bewegung!“ Langsam erheben sich die Demonstranten von ihren Plätzen. Viele bleiben erst unschlüssig stehen, setzen sich gar wieder. Einzelne Rufe erheben sich aus dem Stimmengewirr: „Jeder Mann, jede Frau gegen den Sozialabbau“. Sie ersterben, werden wieder laut. Die Menge setzt sich in Bewegung. Angeführt wird der Zug vom rot-schwarzen Sparschwein und einer Gruppe junger Musiker. Trommelrhythmen und Rasseln untermalen die gebrüllten Forderungen: „Wir sind da, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ Auch die restlichen Demonstranten erheben ihre Stimmen. Auf den Gehsteigen stehen Polizisten in ihrer blauen Uniform, die Arme verschränkt, ein Lächeln auf den Lippen.

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„Wir sind da, wir sind laut“

15:30 Uhr, Mariahilferplatz

Der Platz hat sich gefüllt. Bis jetzt ist allerdings noch wenig von der Empörung zu spüren. Die Demonstranten stehen in kleinen Grüppchen zusammen, halten ihre Schilder hoch und unterhalten sich. Unter ihnen finden sich ältere Menschen, Jugendliche, Eltern mit ihren Kindern. Einige von ihnen sammeln Unterschriften, verteilen die überall präsenten roten und grünen Ballons oder knipsen eifrig. Plötzlich dringt eine Stimme aus den Lautsprechern und begrüßt die Menge, die mit Trillerpfeifen, Klatschen und Jubelrufen antwortet. „Wir fordern…“ Eine lange Liste folgt, die von Mitbestimmung in politischer Entscheidungsfindung über Geschlechtergleichheit bis zu Abgabe der „fetten Gewinne“ der Wirtschaft reicht. Neben der Rednerin auf der Bühne gestikuliert eine Frau wild- sie übersetzt die Rede in die Gebärdensprache.

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  „Wir fordern…“ und das mit Nachdruck

14:30 Uhr, Mariahilferplatz

Noch ist es ruhig am Platz. Deutlich ist das Zwitschern von Vögeln und das Plätschern des Springbrunnens zu vernehmen, manchmal unterbrochen vom Zischen von Heliumflaschen, wenn die giftgrünen Ballons aufgeblasen werden. Mitten am Platz steht ein Sparschwein, das den Demonstranten bis zur Schulter reicht und zwei Köpfe hat: einen in Rot und einen in Schwarz. Die Vorbereitung für die Demonstration der Plattform 25 gegen die Kürzungen im Sozialbereich laufen langsam an. „Von Jahr zu Jahr gibt es Kürzungen beim Pflegegeld, das heißt, wir haben immer weniger Personal und können weniger Klienten aufnehmen, obwohl der Bedarf immer höher wird“, sagt eine Sozialarbeiterin aus dem Verein „Wohnplattform Steiermark“. „Es geht um ein Präsentmachen der Probleme in der Bevölkerung“ Das Stimmengewirr wird langsam lauter. Eine Gruppe von Eltern trifft ein, weiße Schilder mit grüner Aufschrift und Banner in der Hand „Pro HS- Breitenau, Für unsere Kinder“.

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Ein Schwein mit zwei Köpfen- die Demonstranten zeigen klar, gegen wen sie protestieren

 

 

Als perfektionistische Kindergartenpädagogin scheint Sonja geradezu prädestiniert dazu zu sein, buntem Treiben in der Klasse entgegen zu stehen. Im Unterricht fliegt ihre Füllfeder schier über die Seiten, wenn sie sich fleißig Notizen macht. In ihrer Freizeit lebt sie gerne ihre musikalische Seite beim Gitarre spielen aus oder vertieft sich stundenlang in Bücher. Dank ihres schriftstellerischen Talents ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch sie ihre Karriere, wie ihr Lieblingsjournalist Hubert Patterer, im Printbereich starten wird. Verfasst von Jennifer Polanz

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