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Kleine Spielchen mit Theater und Musik

in KULTUR von

Improvisieren – das gibt’s im Theater schon lange. Und auch in der Musik. Aber die Verbindung zwischen den beiden haben erst wenige entdeckt. „Music Act“ ist ein Grazer Projekt von Schauspielern und Musikern, das jährlich im Grazer Orpheum stattfindet und zeigt, wie man ohne vorgegebenes Dreh- oder Notenbuch das Publikum unterhalten und in die Show einbinden kann.

Von Gregor Krenker

Stell dir vor, du stehst auf der Bühne und musst deinen Text aufsagen. Aber du hast ihn vergessen. Oder stell dir vor, du hast Vorspielstunde an der Musikschule. Aber dein Kopf ist leer. Schrecklich, diese Vorstellung. Das kann der Truppe von „Music Act“ zum Glück nicht passieren. Bei ihnen gibt es nämlich gar nichts Vorgegebenes.

Die ganze Show besteht aus einzelnen Spielen, bei denen gewisse Regeln festgelegt sind. Die Themen bestimmt aber das Publikum. „Ich hätte jetzt gern ein Adjektiv“, sagt Carola Gartlgruber, die durch den Abend führt. „Eigenartig!“, schreit einer aus dem Publikum. „Eigenartig? Ok, und jetzt noch ein Nomen.“ „Kartoffelkäfer!“, schreit wieder einer. „Na gut, der eigenartige Kartoffelkäfer“, sagt sie grinsend, während sie sich zu ihren Kollegen umdreht. Dieses Themenfindungsritual wird bei jedem Spiel durchgemacht.

Die Gruppe von Music Act besteht aus vier Schauspielern und/oder Sängern und aus vier Musikern, nämlich Gitarre, Kontrabass, Geige und Schlagzeug. Seit Jänner 2010 treten sie regelmäßig im Orpheum eXtra auf. Bekannt geworden sind sie durch die Jazzwerkstatt Graz im Jahr 2009.

Musiker und Schauspieler beeinflussen sich gegenseitig, Wort und Musik arbeiten miteinander. Aus dem eigenartigen Kartoffelkäfer wird ein Hörspiel mit Musikuntermalung. Aus dem Satz „Der warme Kühlschrank trieft, bis der Apfel mieft“ werden Lieder in verschiedenen Musikrichtungen. Bei diesem Spiel, „Jukebox“, gibt es von Choralgesängen über Funk bis zu Gegenwartsmusik alles zu hören. Gekonnt werden oft auch mehrere Szenen gleichzeitig gespielt, mit einem lauten „Freeze!“ unterbrochen. Dann wird ein Schauspieler ausgetauscht, um das Publikum wieder in eine völlig andere Geschichte zu entführen.

Die Truppe von Music Act bietet auf jeden Fall einen unterhaltsamen Abend. Besonders amüsant werden die Spiele, wenn das Publikum schwierige Begriffe oder Sätze hineinwirft. Alle warten dann immer gespannt, was die Schauspieler und Musiker daraus machen. Das ist zwar nicht immer perfekt. Aber mit der Selbstironie, die sie an den Tag legen, wird auch das Versagen zum lustigen Erlebnis.

 

[box]Die nächsten Auftritte der Music Act Gruppe:
16.05.2012
13.06.2012[/box]

Fotos von Edi Haberl

 

 

 

 

 

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