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Die Bretter, die die Welt bedeuten – Skatespotcheck mit Lukas Oswald

Man kann gut essen gehen im Annenviertel. Das kulturelle Angebot? Allererste Sahne. Auch das Nachtleben könnte abwechslungsreicher kaum sein. Doch was wird eigentlich einem Skateboarder zwischen Gries-, Lend- und Europaplatz geboten? annenpost.at begab sich mit Wallride-Skater Lukas Oswald auf den Asphalt, um dort Antworten auf diese Frage zu finden.

Von Nino Groß


Ein schnelles Rattern, gefolgt von einem kurzen „Klack!“, dann das Schleifen von Holz über Beton. „Zack“, die Landung. Ein Noseslide an der Ledge vor einem großen Supermarkt mit Planetennamen am Europaplatz. Die Menschentraube, die sich um den Skater gebildet hat, löst sich wieder auf.

 

Lukas Oswald ist ein sympathisch bescheidener 22-Jähriger mit Wohnsitz im Annenviertel. Er skatet gerne und da er das, stark untertrieben gesagt, nicht völlig talentfrei macht, wird er auch vom Wallride Skateteam gesponsert.

 

Rondo

Wir überqueren den Zebrastreifen zur Keplerstraße und springen auf unsere Decks. Nächster Halt: Rondo. Dort sind drei Betonbänke montiert, die aus Lukas‘ Skatersicht um Zweckentfremdung förmlich betteln. An den Längskanten der Bänke sind Schleifspuren und silberner Abrieb zu erkennen, sie werden heute also nicht zum ersten Mal geskatet. Der allgegenwärtige Rollsplit stört die Anfahrt, wir putzen etwas davon weg. Erster Versuch, Tailslide. Als Lukas das Brett nach dem Ollie (Sprung) mit dem Tail (hinteres Ende) auf die Kante der ersten Bank setzt, rutscht es schneller als erwartet, und Lukas macht einen Abgang. Er liegt kurz am Boden, verzieht keine Miene, steht wieder auf und macht den Trick noch einmal. Diesmal steht er ihn ganz locker und fragt: „Magst noch einen Nosegrind haben?“ Ich denke kurz an die sehr ähnlich klingenden Nachspeisenofferte meiner Oma, muss lachen, und antworte wie bei ihr zuhause: „Bitte, gerne.“ Anfahrt, Ollie, Nosegrind mit Stylefaktor „immer eins mehr wie du“ gestanden. Chuck Norris würde es nicht besser machen.

 

Tailslide beim Rondo
Tailslide beim Rondo

 

Nosegrind beim Rondo
Nosegrind beim Rondo

 

Volksgarten

Unser nächstes Ziel: der Mini-Skatepark im Volksgarten. Der Spot liegt im Herzen des Annenviertels, zwischen Kepler- und Annenstraße. Lukas erzählt, dass hier im Sommer immer richtig viel los sei. Das gefalle ihm auch am Skateboarden, dass lockere Leute zusammenkämen. Wir spazieren durch den Park und erreichen die Anlage, die von der Stadt Graz im Jahr 2003 gebaut wurde und deren Haupbestandteil ein quadratischer Pool mit abgerundeten Ecken darstellt. Wir treffen auf Unerwartetes, denn am Boden des Pools hat sich eine Wasserpfütze gebildet, was ihn schwerer befahrbar macht. Doch Lukas lässt sich nicht lumpen. „Na wenn wir schon mal da sind“, sagt er, droppt und fährt sich kurz ein. Das umherliegende Laub stört ihn nicht, die Wasserpfütze umfährt er einfach. Er droppt wieder, nimmt Geschwindigkeit auf, und macht einen schönen one-eighty, gute Höhe. Einer geht noch: Lukas droppt in den Pool, fährt die gegenüberliegende Seite von links an, stellt die hintere Achse des Boards auf die Poolrail, drückt die vordere in den Pool hinein und grindet. Das Ergebnis ist ein cremiger Smithgrind, der als Paradebeispiel für den Trick herhalten könnte. Die untergehende Sonne blinzelt mit ihren letzten Strahlen durch das winterliche Geäst.

 

One-Eighty im Volksgartenpool
One-Eighty im Volksgartenpool

 

Smithgrind im Volksgartenpool
Smithgrind im Volksgartenpool

Griesplatz

Da es langsam dunkel wird, beeilen wir uns und machen uns zur letzten ausgewählten Location auf, zum Griesplatz. Zwischen Taxiständen, Dönerbuden, Bars und Wettkneipen bläst uns ein forscher Wind ins Gesicht, mit der Dunkelheit ist es kalt geworden, die Feuchtigkeit in der Luft beginnt sich langsam in Schnee zu verwandeln. Nicht die allerbesten Voraussetzungen um zu skaten, aber Lukas erweist sich als das Gegenteil eines „Schönwetterskaters“ und führt mich zum letzten Spot: eine viereckige Sitzgelegenheit aus dunklem Holz und Beton in deren Mitte ein Baum wurzelt. Die Holzkanten, auf denen Lukas nun gleich zu grinden gedenkt, sind bereits nass vom Schnee und sehen äußerst rutschig aus. Aber Schaffende soll man bei ihrem Werk nicht stören, ich sage nichts. Er geht ein paar Meter zurück, fährt an, „Zack“, Noseslide. Drei Männer sind auf uns aufmerksam geworden und schauen zu. Lukas geht nochmal zurück.

Zweimal pushen, Ollie, Grind und sichere Landung. Die Männer jubeln, ich beteilige mich einem lauten „Yeeeaaah“ an der Geräuschkulisse. Immerhin hat Lukas soeben einen perfekten Crooked Grind hingeknallt, bei denkbar ungünstiger Witterung.

Crooked am Griesplatz
Crooked am Griesplatz

 

Fazit: Das Annenviertel ist durchaus skatebar, vor allem der Pool im Volksgarten ist wirklich empfehlenswert. Und dort kann man die Jungs und Mädels, denen die Bretter die Welt bedeuten, auch am besten antreffen. Dann, wenn die Tage wieder länger und wärmer werden.

Über den Autor

Nino Groß
Nino Groß
Im Jahre 1988 in Leoben, von ihm ausschließlich „Murpott“ genannt, geboren, hat sich Nino jetzt in Graz festgesetzt und studiert Journalismus & PR. Obwohl er von Sport und Musik begeistert ist, enden seine Interessen nicht hier. Er bezeichnet sich selbst als „am Leben interessiert“ und begibt sich gerne in die Natur. Sollte sich das mal nicht ausgehen, holt er sich seine Dosis Wildleben über die Sendung Universum. Nach dem Studium will er die globalen Zusammenhänge in der Weltpolitik beschreiben.
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