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Die Straße im Wohnzimmer

in KULTUR von

Beim Betreten der „Les Avignons„-Bürogemeinschaft fühlt man sich ein wenig wie in ein Wohn- und Spielzimmer für große Jungs versetzt: Diverse Sammelfiguren aus dem Hause Marvel und eine Tischtennis-Platte mischen sich mit Möbelstücken, deren Altersdurchschnitt weit über dem der hier beschäftigten Personen liegt. Und über alldem wachen Darth Vader und die dem Urban-Art-geneigten Leser bekannte Eule, die sich auch an den verschiedensten Plätzen in Graz entdecken lässt. 

Von Maria Steinwender

 

Fan-Bekenntnisse: Comic-Figuren zieren die Büroräume von „Les Avignon“

 

Seit September befindet sich am Lendplatz in den ehemaligen Räumlichkeiten des Möbelhändlers Gaisrucker die Bürogemeinschaft „Les Avignons“, ein Kollektiv, dessen Mitglieder hauptsächlich in den Bereichen Kommunikation und Design tätig sind. Von diesen kreativen Köpfen wurde vor Kurzem das Kunstprojekt „Intryk“ ins Leben gerufen. Im Rahmen dieses Projektes werden in den Büros Urban-Art-Reproduktionen ausgestellt, die man dort, aber auch online, käuflich erwerben kann – Galerie im klassischen Sinn ist es aber keine. Und die Kunst,die Intryk vertreibt, findet man sonst auch eher selten in Galerien. Intryk will Street Art, Stencils und Graffiti salon- und wohnzimmerfähig machen.

 

Urban Art im „Intryk“

 

Was aber unterscheidet „Intryk“ von den zahlreichen Webshops, in denen man ebenfalls Kunstdrucke erwerben kann? „Die Mehrheit der Postershops bietet digitale Kunst an, abfotografierte Street-Art, die beliebig oft vervielfältigt wird. Diese Reproduktionen sind vom Künstler selbst in den seltensten Fällen autorisiert, es gibt keine limitierten Stückzahlen, und die Preise für solche Bilder sind dementsprechend niedrig“, sagt Andreas Jaritz. „Intryk“ will es weder ganz billig geben noch überteuerte Originale anbieten. Wer soll sich also die Urban-Art-Repros an die Wand hängen? Mid-Twens, die sich für Kunst interessieren, aber noch kein Original leisten können und ihre erste eigene Wohnung daher vielleicht mit einer Reproduktion verschönern wollen, hofft Jaritz. „Wir versuchen, uns zwischen Ikea-Kunden und solchen Leuten zu positionieren, die sich noch kein Gemälde leisten wollen. Unsere Bilder verbinden Retro-Chic mit Street-Art, unsere Kunst ist nicht super clean, unsere Kunden sollen sich bewusst die Straße ins Wohnzimmer holen“.

Geschäftsführer Andreas Jaritz bietet wohnzimmertaugliche Street Art

 

Bei „Intryk“ ist allerdings nicht nur der Kunde König, sondern auch die Künstler – unter ihnen Georg Dinstl von Permanent Unit, der Maler und Graffitikünstler Paul Riedmüller alias PERK oder eben „The Owl“. Ihnen wird im Gesamtprozess bis zur Reproduktion so viel Freiheit und Mitgestaltungsrecht wie nur möglich eingeräumt. Das erklärt auch, warum von den Kunstwerken ausschließlich Reproduktionen in Originalgröße erhältlich sind.

Blick ins Geschäft

 

Für die Zukunft plant Jaritz den Brückenschlag nach Wien und später Deutschland , da dort mit stärkerem Absatz zu rechnen sei. „Es liegt eben noch ein Schritt zwischen ‚Cool!‘ und ‚Ich kaufe es!‘. Das Feedback ist bisweilen ganz gut, aber wir sind noch nicht dort angekommen, wo wir hinwollen.“

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