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“Nur nett“ ist nicht genug

Der Verein uniT spürt mit seinen Projekten den Wechselwirkungen von Kunst und Leben nach. Zuletzt zu erleben bei den AutorInnenwochen im und um das Theater am Lend.

 Von Carina Nistl

 

Es sind anfangs nur die kleinen Dinge, die schiefgehen. Man vergisst irgendetwas oder kann sich an manche Dinge einfach nicht mehr erinnern. Und ehe man es sich versieht, ist man  in eine weit größere Katastrophe geschlittert. Zum Beispiel: Ein Hamster stirbt. Eine Beziehung zerbricht. Und plötzlich stürzt ein Flugzeug ab. So jedenfalls nehmen die Dinge im Stück „Hamstersterben“ von Christiane Kalss ihren Lauf, das im Rahmen der uniT AutorInnenwochen produziert und nun im Theater am Lend uraufgeführt wurde.

Durch die  multimediale Inszenierung wird den Zusehern Theater auf verschiedenen Ebenen vermittelt. Auf der „realen“ Ebene, der Bühne, spielen sich mehr oder weniger alltägliche Szene in einer Wohnung, einer Bar oder bei einem Begräbnis ab. Die „multimediale“ Ebene besteht aus Projektionen von Videos auf ein nahezu durchsichtiges Netz, das zwischen Publikum und Bühne gespannt ist. Ein Wahrsager ist da zu sehen, einmal auch ein Flugzeugabsturz. Ein dritter Raum tut sich auf, wenn die Schauspieler gegen Ende des Stücks aus diesen Bühnenräumen ausbrechen. Einige Szenen spielen im Foyer, auf der Toilette oder sogar außerhalb des Theaters und werden mittels Video in den Theaterraum übertragen.

Zu dieser Experimentierfreude, die im Stück, der Auftaktproduktion der diesjährigen AutorInnenwochen, zum Ausdruck kommt, bekennt sich die Leiterin von uniT, Edith Draxl, auch im Gespräch. Die Frage „Worum geht es hier eigentlich?“ habe sich während des Stücks bestimmt jeder gestellt, meint Draxl. Genau das findet sie auch gut: „Wenn Zuseher das Theater verlassen und das Stück nur nett fanden, haben wir unser Ziel nicht erreicht.“ Theater müsse Fragen aufwerfen, Diskussionen und Gespräche anregen, Bewegung erzeugen.

Die AutorInnenwochen, bei denen auch Natascha Gangls „Das kleine Hasenstück oder Meister L. lernt laufen“ uraufgeführt wurde, sind Teil des Projekts „Drama Forum“. Im  Rahmen dieses  zweijährigen Programms, das bereits Autoren wie Gerhild Steinbuch, Johannes Schrettle oder Ewald Palmetshofer durchlaufen haben, produzieren junge Autorinnen und Autoren neue Texte, die in unterschiedlichen Formaten für die Öffentlichkeit sehbar und hörbar gemacht werden. Der Fokus liegt vor allem auf Stücken und Texten mit experimenteller Struktur und außergewöhnlicher Umsetzung.

Edith Draxl, Obfrau und künstlerische Leiterin von uniT

Edith Draxl, Obfrau und künstlerische Leiterin von uniT

Seit der Gründung des Vereins uniT vor mehr als zehn Jahren an der Karl-Franzens-Universität legt Edith Draxl besonderen Wert auf die Vermittlung von Impulsen durch junge Künstler. Nicht immer seien diese Impulse klar zu benennen, das gelte auch für den Text von Christiane Kalss, meint Draxl, genau deswegen sei er für sie aber interessant.

Um frische Impulse geht es auch in einem anderen uniT-Projekt, dem „Kunstlabor“. damit versucht uniT, ein wenig mehr Kunst in das Leben von Menschen bringen, die sonst schwerer Zugang haben. Migranten zum Beispiel oder Senioren. Derzeit ist das „Kunstlabor“ mit einem Vermittlungsprogramm gerade in einem Seniorenheim in Murau zu Gast.

 

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