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Original bleibt Original

Seit 1987 brutzelt Hannes Pflancer Würstel an der Elisabethinergasse. Sein Markenzeichen war der gelbe Postbus, den Pflancer mit seiner damaligen Frau gekauft und umgebaut hatte. Vor einiger Zeit verschwand der Bus plötzlich und ein neues Lokal namens „Würstl Hannes“ eröffnete in der Grazer Kärntnerstraße. Doch „Hannes – Das Original“ blieb, an seinem angestammten Platz. Nächstes Jahr feiert Pflancer sein 25-Jahr-Jubiläum. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht.

© Jakob Dohr

Herr Pflancer, wann haben Sie mit dem Würstel-Verkaufen begonnen?
1985 hat mir ein Freund, der am Südtirolerplatz einen Würstelstand hatte, angeboten, den Stand zu übernehmen. Ich war dort Stammgast und hatte tatsächlich Interesse. Ich bin zwar gelernter Koch, zu dem Job aber durch Zufall gekommen. Ich war dann zwei Jahre und zwei Monate am Südtirolerplatz, danach wurde die Pacht aufgelöst. Und im Monat der Kündigung haben wir den Postbus hier hergestellt (auf den Stammplatz an der Elisabethinergasse, Anm.), ihn umgebaut und im Mai 1987 den „Würstl Hannes“ eröffnet.

Wie sind Sie zu dem Postbus gekommen?
Den haben wir bei der Post in der Hohenstaufengasse gekauft, ihn in die Elisabethinergasse geschleppt und zu einem Würstelstand umgestaltet.

Und warum ist er jetzt weg?
Aus familiären Gründen. Allerdings hätte man so oder so am Bus etwas machen müssen. Als er dann weg war, haben wir uns überlegt: „Was tun wir?“ Einen Container wollte ich nicht. Also haben wir Tischlereien rundherum abgefragt, die haben mir den Corpus für die Hütte gebaut. Den Rest – rund 80 Prozent – haben wir selbst gemacht.

Der Standort liegt in einer eher unattraktiven Gegend. Warum haben Sie sich für diesen Platz entschieden?
Ein guter Bekannter hat mir den Platz gezeigt, als die Pacht am Südtirolerplatz ausgelaufen ist. Wir haben uns den Standort damals in der Nacht angesehen. Da er aber zu dem Zeitpunkt zur Elisabethinergasse hin noch nicht offen war, sondern eine Plakatwand da stand, mussten wir von der Dreihackengasse rein und uns durch wüstes Gestrüpp schlagen. Aber wir haben gesagt: „Wir probieren es!“ Und es ist vom ersten Tag besser gelaufen, als wir es uns jemals vorgestellt haben.

Mit „wir“ meinen Sie Ihre Frau und sich?
Ja, meine Ex-Frau. Wir haben den Stand 23 Jahre lang gemeinsam betrieben.

Seit einiger Zeit gibt es in der Kärntnerstraße auch einen Stand namens „Würstl Hannes“…
Das ist richtig, das macht meine Ex.

Warum führt sie den Namen „Würstl Hannes“, obwohl Sie immer noch in der Elisabethinergasse sind?
Meine Ex-Frau hätte den Originalnamen mitnehmen dürfen, da wir ja verheiratet waren. Aber dieser Stand in der Kärntnerstraße läuft auf den Namen ihres neuen Lebenspartners. Er hatte nicht das Recht dazu. Ich habe das mit Anwälten besprochen. Aber die haben mir gesagt: „Lass das, das macht nur Kopfweh.“

© Jakob Dohr

Sie haben nicht gerade den Ruf, ein freundlicher Wirt zu sein. Man hört immer wieder: Der Würstl Hannes, der ist so böse. Stimmt das?
Ich bin sehr resch und sehr streng, aber das ist notwendig. Meine Tochter arbeitet hier, und sie soll keine Schwierigkeiten haben. Wir haben auch viele Frauen als Kunden, die oft alleine herkommen. Ich lass´ nicht zu, dass jemand ausfällig wird. Das habe ich immer sofort unterbunden, auch mit strengeren, rescheren Worten. Und die Leute akzeptieren das.

In den letzten 25 Jahren werden Sie hier einiges erlebt haben…
Ich muss sagen: Es war nie problematisch, es läuft sehr, sehr ruhig ab. Und kleinere Reibereien, Betrunkene gibt’s in allen Gasthäusern. Ich kenne aber auch Viertel, den Lend zum Beispiel, wo es nicht so ruhig abgeht. Direkt am Griesplatz ist es auch ein bisschen anders.

Also ist die Gegend hier kein Problemviertel?
Nein, nein. Das ist alles aufgeteilt. Hier die Türken, am Lendplatz die Albaner. Ich wüsste nicht, wann zum letzten Mal jemand überfallen worden ist oder es irgendeine größere Rauferei gegeben hätte. Ich kann mich auch nicht dran erinnern, Ausländerfeindlichkeiten mitbekommen zu haben.

Können Sie für uns das Annenviertel charakterisieren?
Früher war die Annenstraße eine große Einkaufsstraße, gleich nach der Herrengasse. Aber irgendwie ist das abhanden gekommen. Vielleicht hat man zu wenig für die Annenstraße und zu viel für die Herrengasse gemacht. Geschäfte sind nach und nach aufgelassen worden, und es sind keine Nachmieter gekommen. Ich muss auch sagen, dass die Mieten sehr, sehr hoch sind. Da investiert man nicht mehr, wenn nichts los ist.

Wo müsste man die Hebel ansetzen?
Das hat man versäumt. Die Vermieter müssten wahnsinnig zurückschalten, denn es kann sich keiner die Mieten leisten. Vor allem am Anfang ist es ziemlich schwer. Wenn man sieht, dass das Geschäft läuft, könnte man die Miete immer noch erhöhen. Aber so… Die Annenstraße ist irgendwie versumpft.

Wie sehen Sie die Zukunft des Annenviertels? Bleibt alles so, wie es ist?
Na, das hoffe ich nicht! Es muss wirklich was getan werden. Aber was? Guter Rat ist teuer. Man müsste die Leute dazu animieren, Lokalitäten zu eröffnen. Aber da müssten die Vermieter und die Stadt unterstützend eingreifen.

Und wie geht’s mit Ihnen weiter?
Ich habe ja noch ein paar Jahre bis zur Pension. (lacht) Viele Jahre. Wenn es mir gesundheitlich weiter so gut geht, gibt es keinen Grund aufzuhören. Ich mache das wahnsinnig gerne. Andere Ideen habe ich nicht. Man kann nicht an zwei Orten sein. Ich möchte gerne selbst arbeiten, bei den Kunden sein. Das ist einfach mein Leben.

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